Maciej Markowicz
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2020 Umzugsboot Berlin

Der Künstler lebt im Inneren der schwimmenden Camera Obscura und fotografiert während der Corona-Pandemie. April/Mai 2020

Maciej Markowicz, Künstler, Fotograf und Gründer der in Berlin ansässigen gemeinnützigen Organisation "Moving Camera", lebte 2 Monate lang im schwimmenden Boot Camera Obscura und fotografierte Berlin während der Corona-Pandemieabsperrung.

Jeden Tag machte er ein Foto, ein direktes Papiernegativ, indem er ein großes Blatt Farbfotopapier an der Innenwand des Bootes belichtete, wobei das Boot als Camera Obscura fungierte. Während seines Aufenthalts in Berlin Mitte reiste der Künstler durch die Spree und belichtete, wenn der Sonnenstand auf den Fluss ausgerichtet ist. Flüsse und Kanäle sind Wassertunnel, die durch Städte, Länder und Kontinente führen. Wenn die Sonne in einer Linie mit dem Fluss steht, wird das Wasser mit Sonnenlicht aufgeladen, das von ihm reflektiert wird. Dieser flüchtige Moment schafft eine Harmonie von Licht, Zeit und Ort, und das ist der Moment, in dem ich den Verschluss der schwimmenden Kamera öffne.

Die Stadt Berlin ist während der Abriegelung verstummt und hat eine neue Stufe der Einsamkeit geschaffen. Die Spree, die normalerweise für ihre täglichen hektischen Tourismusfluten bekannt ist, wurde langsam und voller stiller Reflexionen, und die Einheimischen verbrachten ihre Tage frei am Flussufer. Der Ort des Bundeskanzleramtes, an dem Regierungsentscheidungen als Reaktion auf die aktuelle Pandemiekrise getroffen werden, ist seltsam ruhig.

In der Zwischenzeit steuerte Markowicz sein sich langsam bewegendes Schiff, das mit Blättern lichtempfindlichen Papiers beladen war, in der Dunkelheit des Kameraraums, bereit, seinen Verschluss mit einem Klick zu öffnen, wenn die Sonne und der Fluss sich ausrichten, auf der Suche nach der Harmonie von Zeit, Licht und Ort, um das Licht einfach in Bewegung auf Papier einzufangen.

Maciej Markowicz © 2020